Editorial 2/2026

Viele neue Entwicklungen halten dem wissenschaftlichen Standard nicht stand.
Innovation – aber bitte mit Sinn und Verstand
In unruhigen Zeiten traf sich die dermatologische Familie auch dieses Jahr wieder in Frankenthal in der Pfalz zum 24. DERM-Kongress.
Praxisworkshops und wissenschaftliche Vorträge beleuchteten weite Teile der im Praxisalltag relevanten Dermatologie und Allergologie. Auch die Ästhetik im weitesten Sinn fand auf dem diesjährigen Kongress entsprechenden Raum. Interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer profitierten von dem breiten Angebot an Vorträgen und Demonstrationen. Die Ausstellung wiederum zeigte uns, wie groß das Interesse der Industrie an dermatologischen Themen ist.
Die Masse an Informationen bedurfte natürlich auch einer kritischen Durchsicht und eines bewussten Auswahlprozesses. Nicht alles Vorgestellte hält nüchterner wissenschaftlicher Beleuchtung stand. Häufig liegt das auch daran, dass viele Ansätze noch sehr neu sind. Bevor wir sie in unserer Praxis etablieren, sollten wir entsprechende Untersuchungen und Studien abwarten.
Die Dermatologie ist geprägt von interdisziplinären Ansätzen und entwickelt sich stetig weiter. Welche Auswirkung manche dieser Entwicklungen auf das Fachgebiet haben könnten, ist noch nicht abzusehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist etwa die auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Diagnostik. Sie gibt eine scheinbare Sicherheit vor, die es in der Wirklichkeit ohne dermatologisches Know-how nicht gibt.
Der Bedarf für zeiteffizientere und sichere Verfahren für die Hautkrebsdiagnostik ist vorhanden. Das zeigt auch die stetig wachsende Nachfrage. Auch der Einzelhandel versucht neuerdings hier Fuß zu fassen. Ein Tool zur KI-Online-Diagnose von Hautproblemen im Shop stellt einen fraglichen Versuch dar, einen Fuß in die Türe zur Dermatologie und qualifizierten Kosmetologie zu bekommen. Wir dürfen in unseren Praxen nicht produktbezogen beraten und keine Waren verkaufen, wieso kann umgekehrt der Einzelhandel dann künftig medizinische Diagnostik und Therapie sprich assoziierte Heilkunde anbieten? Die strikte Trennung der Bereiche ist Tradition aus gutem Grund. Wir werden die Entwicklungen im Auge behalten. Die Ärztekammern sind jedenfalls alarmiert.
Nachdem die KI auch in der Lage sein soll, Aussagen zur Langlebigkeit von Personen zu produzieren, mahne ich zur Vorsicht bei derartigen Prognosen. Ohne den Faktor Glück, die Berücksichtigung der persönlichen Konstitution und Erfahrung und die passende Umgebung bleibt alles raue Theorie.
Hier verweise ich auf meinen Vater und freue mich, dass er am Ostersamstag 100 Jahre alt wurde. Das sind 100 Jahre an menschlicher Erfahrung und Wissen, die ihm niemand mehr streitig machen kann.
Dr. Matthias Herbst und der ADK-Vorstand

Spezielle Informationen für Laien zum Thema Haut, Hautpflege und Kosmetik
ästhetische dermatologie & kosmetologie 2/2026
Themenschwerpunkte aus allen Bereichen der ästhetischen Dermatologie