Editorial 4/2026

Wir haben in der Dermatologie ein Spitzenniveau erreicht, auf das wir durchaus stolz sein dürfen.
Wohin des Weges, Herr Merz?
Eingeklemmt zwischen Ideologien, Weltuntergangsszenarien, den Verlautbarungen von Nichtregierungsorganisationen und lautem Wahlkampfgetöse blickt der deutsche Michel im Sommer 2026 verwundert auf die politische Lage. „Sparen von oben“ ist die Devise – und es trifft längst nicht mehr nur Ärztinnen und Ärzte, sondern nahezu alle Gruppen dieser Gesellschaft, die sich auf Abstriche und Einkommensverluste einstellen müssen.
Irgendjemand hat unseren Regierenden eingeflößt, man müsse zunächst hohe Schulden machen, um später mehr Geld zur Verfügung zu haben. Ich vermute, es verhält sich genau umgekehrt – die Gründe dafür sind vielfältig. Wenig Schulden machen, sein Geld redlich verdienen und mit dem auskommen, was man hat: das berühmte Prinzip der schwäbischen Hausfrau. Wächst die Wirtschaft, kann man sich wieder mehr leisten. Wachsen dagegen die Schulden, drohen Zinslasten, die wir in der befürchteten Höhe nicht mehr werden begleichen können.
Die Weltwirtschaft hängt mittlerweile von zahlreichen Faktoren ab. Material- und Lohnstückkosten lassen sich für jedes Land berechnen und vergleichen, und die Industrie siedelt sich dort an, wo Löhne und Bürokratie am geringsten belasten – von Steuern und den Energiekosten ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass Deutschland dabei zurückfällt: Bei der Wachstumsrate zählen wir laut jüngster OECD-Prognose mittlerweile zu den Schlusslichtern der Industrieländer – gemeinsam mit Mexiko nur noch vor Österreich und Norwegen.
Dabei haben wir viel zu bieten: Allen voran ein exzellentes Gesundheitssystem, das entgegen allen Unkenrufen den Vergleich mit den meisten Volkswirtschaften dieser Welt nicht zu scheuen braucht. Gerade die Dermatologie erlebt gerade ihre Blütezeit. Sowohl im medizinischen als auch im ästhetischen Bereich haben wir ein Spitzenniveau erreicht, auf das wir durchaus stolz sein dürfen. Umso erstaunlicher ist, dass ausgerechnet hier mit fragwürdigen Argumenten überall Abstriche vorgenommen werden sollen und dass dies auch noch von unseren eigenen Standesorganisationen mitgetragen wird. So kursieren Empfehlungen zu notwendigen Sparmaßnahmen im GKV-Bereich ebenso wie eine neue GOÄ, die im Privatbereich deutliche Einschränkungen bringen wird. Man fragt sich, wozu es überhaupt noch eine Standesvertretung braucht, wenn sie sich darauf beschränkt, die Wünsche der Regierungsseite ungefiltert an die Basis weiterzureichen.
Wer wirklich sparen will, muss die Bürokratisierung angehen: Prozesse effizienter gestalten und Abläufe optimieren. Dazu zählen weniger Krankenkassen und Verwaltungspersonal sowie der kluge Einsatz von elektronischer Datenverwaltung, Telematikinfrastruktur und künstlicher Intelligenz. Meine Hoffnung ruht auf dem neuen Gesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann. Als ehemaliger Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung kennt er die Nöte der Selbstständigen ebenso wie die Möglichkeiten neuer Technologien. Von ihm dürfen wir klare Antworten erwarten.
Der Wettbewerb untereinander wird in den kommenden Jahren nicht geringer. Jeder muss seinen Platz am Markt behaupten. Nimmt die Zahl der abrechenbaren GKV-Patientinnen und -Patienten ab, sollte die Privat- und Selbstzahlersprechstunde im Gegenzug attraktive und zugleich bezahlbare Angebote bereithalten, die auf Wünsche und Probleme eingehen. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist das eine Herkulesaufgabe, der wir uns stellen müssen. Von einem Inflationsausgleich können wir künftig wohl nur noch träumen.
Dr. Matthias Herbst
Generalsekretär der ADK e. V.

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ästhetische dermatologie & kosmetologie 4/2026
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