Editorial 1/2026
Zwischen Naturversprechen und Tiefenwirkung
Die Dermatologie und besonders die ästhetische Dermatologie lieben die Harmonie und Balance. Aktuell pendeln wir elegant zwischen grünen Inhaltsstofflisten, präziser Pigmentierung und chemischer Tiefenwirkung – und genau darin liegt der Reiz unseres Fachs.
Naturkosmetik erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Nicht wie vor 2000 Jahren lediglich die Bäder in Eselsmilch, sondern phytopharmazeutische Extrakte, nachhaltige Verpackungen und wohlklingende Namen treffen den Nerv einer Zeit, in der Hautpflege nicht nur wirken, sondern auch beruhigen soll – idealerweise Haut und Gewissen. Für uns bedeutet das vor allem eines: wir müssen erklären, begleiten und einordnen. Denn „natürlich“ oder „biologisch“ sind sympathische Attribute, ersetzen aber weder dermatologisches (und gegebenenfalls botanisches) Wissen noch eine fundierte Hautanalyse. Denn jeder von uns hat schon furchterregende Kontaktekzeme auf regenerierende, in der heimischen Küche gebraute Pflanzenkosmetika gesehen. Evidenzbasiert steht uns allerdings inzwischen eine Vielzahl wirksamer Substanzen aus der Phytopharmazie und Phytodermatologie zur Verfügung, die uns allen vertraut sein sollten.
Parallel dazu erleben wir, beinahe leise und dabei sehr souverän, die Rückkehr hochwirksamer Verfahren wie tiefer chemischer und Phenol-Peelings. Sie sind anspruchsvoll, evidenzbasiert und nichts für kosmetische Schnellschüsse. Richtig angewendet gehören sie zu den effektivsten Instrumenten die uns in der ästhetischen Medizin zur Verfügung stehen – vorausgesetzt, man weiß genau, was man tut. Fortbildung ist in dieser Hinsicht keine Formalie, sondern Voraussetzung, um unsere Patientinnen und Patienten vor Schaden zu bewahren.
Auch die immer noch anhaltende Tendenz zum Permanent Make-up bewegt sich in diesem Spannungsfeld aus Ästhetik, Technik und Verantwortung. Zwischen medizinischer Indikation – die es natürlich gibt – künstlerischem Anspruch und präziser Ausführung entscheidet nicht der Trend, sondern die Qualifikation. Wir alle haben schon verrutschte Lippenkonturen, dräuende, tiefschwarze Balken statt Augenbrauen und gruselige Lidstriche gesehen, die für die Ewigkeit oder zumindest einige Jahre persistieren. Tattoos im ästhetischen Bereich gehören in die Hand geübter und verantwortungsvoller Expertinnen und Experten.
Was Naturkosmetik, Peelings und Permanent Make-up verbindet, ist weniger die Methode als unsere Haltung. Die gesamte Dermatologie – und vor allem die ästhetische Dermatologie – lebt von Wissen mit Maß, von Erfahrung und Fingerspitzengefühl sowie von der Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln; nicht zuletzt vom Bewusstsein, nicht für Instagram oder TikTok zu arbeiten, sondern verantwortungsvoll mit unserem Repertoire umzugehen.
Diese aktuelle Ausgabe vermittelt wieder einen Überblick über einen wichtigen Teil unserer gegenwärtigen Möglichkeiten.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!
Dr. Liesl Häussermann-Mangold

Spezielle Informationen für Laien zum Thema Haut, Hautpflege und Kosmetik
ästhetische dermatologie & kosmetologie 1/2026
Themenschwerpunkte aus allen Bereichen der ästhetischen Dermatologie