Hauttypen / Problemhaut
Die individuelle Beratung des Patienten
Autoren: Wolf-Ingo Worret, Berthold Jeßberger, Isolde Hof
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München
Die Haut als lebendes Organ kann ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften laufend ändern und sich so den Einflüssen der Umgebung anpassen. Diese Reaktionen beachtete man in früheren Zeiten kaum, was sich besonders in einer recht starren Hautpflegeberatung niederschlug. Durch genauere Befunde, die man in den letzten Jahren in der Hautphysiologie erhalten hat, ist es möglich geworden, Hautpflegepläne dynamischer zu entwickeln und so die Gesundheit der Haut zu optimieren.
Der aktuelle Hautzustand
Mit "aktuellem Hautzustand" bezeichnet man denjenigen Hautzustand, der sich am Untersuchungszeitpunkt bietet. Früher sprach man vom "Hauttyp" und meinte damit einen durch die Vererbung festgelegten Hautstatus, den man üblicherweise grob in 3 Kategorien einteilte:
- normal
- fett (seborrhoisch)
- trocken (sebostatisch)
Dazu kamen noch Unterformen.
Diese starre Einteilung erwies sich jedoch als unzutreffend, da sich der Hautzustand im Laufe des Lebens, aber auch durch andere Einflüsse ändern kann. Dementsprechend müssen z.B. auch die Produkte zur Hautpflege gewechselt werden.
Der aktuelle Hautzustand ist abhängig von:
- Vererbung
- inneren Faktoren
- äußeren Faktoren
Es ist bekannt, dass neben der Vererbung (z. B. Anlage zur Sebostase, Seborrhoe oder Akne) auch innere Faktoren, wie hormonale Störungen (auch Ovulationshemmer, polyzystische Ovarien), Stress oder Rauchen, und äußere Faktoren, wie Wärme, Kälte, Meerwasser, entfettende Seifen oder Lösungsmittel, den Hautzustand entscheidend beeinflussen und verändern können. Auch die Jahreszeiten, Menstruation, Raumklima oder Krankheiten haben eine Auswirkung auf die Haut.
Ein sehr wichtiger Aspekt, der auch in Lehrbüchern oft durcheinandergeworfen wird, ist, dass der Gegensatz von fett nicht trocken, sondern fettarm ist. Der Gegensatz von trocken ist aber feucht.
Also kann man den aktuellen Hautzustand wie folgt einteilen (n. Raab und Kindl):
- Die Normalhaut
- Der fett-feuchte Hautzustand
- Der fett-trockene Hautzustand
- Der fettarm-trockene Hautzustand
- Der fettarm-feuchte Hautzustand
Beschreibung der Hautzustände im Einzelnen
Die Normalhaut
Die als normal zu bezeichnende Haut ist feinporig, zart, samtig-glatt, geschmeidig, rosig, fettet nicht nach und spannt nicht. Die Haut wirkt gesund, ist problemlos zu reinigen und zu pflegen. Kinder haben fast immer diesen Hauttyp.
Auch wenn dieser Hautzustand zum Zeitpunkt der Untersuchung vorliegt, sagt das nichts über die Stabilität dieses Zustandes aus. Oft stellt sich im Beratungsgespräch heraus, dass die Gesichtshaut bei längerem Aufenthalt in überheizten oder klimatisierten Räumen mit Irritationen und Spannungsgefühl reagiert oder sich vielleicht nach einer zu fetten Pflegecreme "Unreinheiten" bilden. Diese Informationen sind bei einer Beratung und der Auswahl einer Kosmetikserie zu berücksichtigen.
Pflegeanleitung:
Reinigung: Reinigungsmilch oder -gel
Gesichtswasser: Alkoholfrei oder bis 15% Alkohol
Pflege: Nur bei unangenehmem Spannungsgefühl 1-2x tägl. eine leichte Ö/W Emulsion, abgestimmt auf Alter und Jahreszeit (15-30 % Fettgehalt)
Sonnenschutz: Ö/W Sonnencremes (mit entsprechendem Lichtschutzfaktor)
Der fett-feuchte Hautzustand
Typisch für den fett-feuchten Hautzustand ist eine grobe, kräftige, stark glänzende, großporige Haut. Dieser Hautzustand ist sehr robust, widerstandsfähig und auch unempfindlicher gegen Sonneneinstrahlung. Die fett-feuchte Haut tritt vorwiegend in Arealen auf, an denen sich viele Talgdrüsen befinden, d.h. Kopf, Brust und Rücken. Die übrige Körperhaut kann dabei normal oder sogar fettarm sein.
Mit Beginn der Pubertät entwickelt sich dieser Hauttyp. Ein hoher Anteil der Jugendlichen neigt zu diesem Hautzustand. Damit sind die Voraussetzungen für eine Akne geschaffen.
Egal in welchem Alter sich der Patient befindet, wichtig ist, diesen Hautzustand mit entfettenden Präparaten auszugleichen, um einen Normalzustand zu erreichen. Bei falscher Pflege, d.h. zu fetthaltigen Präparaten, kann eine Akne provoziert werden.
Pflegeanleitung:
Reinigung: Syndet mit saurem pH oder Reinigungsgel
Gesichtswasser: Alkoholisches Gesichtswasser, adstringierend
Pflege: Nur bei Bedarf ein ganz leichtes Feuchtigkeitsgel oder eine Ö/W Emulsion mit geringem Hydrolipidanteil.
Sonnenschutz: Sonnengel oder eine andere fettarme Grundlage
Bei Akneneigung eignet sich eine Lotio oder eine Benzoylperoxidgel-Minutentherapie.
Die sogenannte "Mischhaut", die eine fette Partie in der Gesichtsmitte (Stirn, Nase, Kinn = T-Zone) und an der Wangenpartie den normalen bis fettarmen Hautzustand aufweist, sollte dem Hautzustand entsprechend unterschiedlich behandelt werden. Diese zwei verschiedenen Hautzustände kann man nicht mit der selben Creme behandeln. Das bedeutet, dass man mindestens 2 unterschiedliche Pflegepräparate benötigt. Kosmetikserien für Mischhaut, wie sie von der Kosmetikindustrie oft angeboten werden, sind unsinnig. Die Mischhaut wird häufig mit dem fettarm-trockenen Hautzustand verwechselt, weil die Patienten meist über ähnliche Symptome wie Rötung, Reizung, Spannungsgefühl und schuppende Haut klagen.
Der fett-trockene Hautzustand
Den fett-trockenen Zustand kann man als kurzzeitige Abweichung des fett-feuchten Hautzustandes nennen. Bei diesem Zustand hat die Haut einen glänzenden Schimmer, eventuell eine starke Schuppung, ein pergamentartiges Erscheinungsbild und ein unangenehmes Spannungsgefühl. Nach extremer Sonnenbestrahlung (Urlaub, Sonnenbrand, Solarium) oder intensiver externer Aknetherapie kann dieser Zustand eintreten.
Pflegeanleitung:
Reinigung: Reinigungsgel oder - milch
Gesichtswasser: Ohne Alkohol oder ganz weglassen
Pflege: Nach Sonnenbestrahlung viel Feuchtigkeitsgel; Aknetherapie reduzieren (jeden 2.-3. Tag behandeln!); evtl. etwas Feuchtigkeitslotion oder -creme auftragen
Sonnenschutz: physikalischer Lichtschutz
Der fettarm-trockene Hautzustand
Der am schwierigsten zu behandelnde Hautzustand ist der fettarm-trockene Hautzustand. Die Talgdrüsen produzieren zu wenig Talg. Die Haut erscheint schuppig, rauh, matt und glanzlos. Es können Spannungen, Juckreiz und Exsiccationsekzeme entstehen. Die oft fleckförmigen Rötungen und trockenen, rauhen Stellen geben der Haut ein unruhiges Erscheinungsbild. Durch den verminderten Fett- und Feuchtigkeitsgehalt besteht eine Tendenz zur vorzeitigen Alterung der Haut, d. h. es können Fältchen und Runzeln auftreten. Die Hautschichten verdünnen sich. Nur durch konsequente Pflege mit fett- und feuchtigkeitsreichen Produkten kann man das Spannungs- und Trockenheitsgefühl lindern.
Pflegeanleitung:
Reinigung: Milde Reinigungsmilch mit erhöhtem Lipidanteil
Gesichtswasser: Ohne Alkohol
Pflege: Am Tag: Feuchtigkeitscreme (O/W 25-40% Fettgehalt); Nachtpflege: Fettcreme (W/O 50-70% Fettgehalt); Natürliche Feuchthaltefaktoren (NMF) wie z.B. Urea sind indiziert.
Sonnenschutz: Sonnencreme
Der fettarm-feuchte Hautzustand
Dem nur kurzzeitig auftretenden fettarm-feuchten Hautzustand liegt die fettarm-trockene Haut zugrunde. Durch äußere Umstände, z.B. Schwitzen beim Sport oder Arbeit in einer Wäscherei d.h. in Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit ändert sich dieser Hautzustand. Die Patienten beschreiben eine aufflammende Rötung, wie bei einer Entzündung. Außerdem entsteht ein sehr unangenehmes Hitzegefühl, das lange Zeit anhalten kann.
Pflegeanleitung:
Pflege: Beim Sport oder vor der Arbeit in hoher Luftfeuchtigkeit; nur ganz leichte Feuchtigkeitscreme (15-25% Fettgehalt); Nachtpflege wie beim fettarm-trockenen Hautzustand.
Sonnenschutz: Sonnenmilch
Für alle Hautzustände gilt
Unabhängig vom Hautzustand sollte mit zunehmendem Alter regelmäßig eine Augenfältchencreme verwendet werden, da sich in der Augenpartie nur wenig Talgdrüsen befinden und außerdem Körpercremes in die Augen spreiten können. Der Hals- und Decolletébereich benötigt auch unabhängig von der Gesichtspflege fettreichere Produkte.
Egal welchen Hautzustand man besitzt, nach der Reinigung mit modernen Syndets entsteht öfters ein Spannungsgefühl. Es empfiehlt sich also etwas abzuwarten. Wenn das Spannungsgefühl von selbst nachläßt, erübrigen sich Gegenmaßnahmen.
Die von verschiedenen Kosmetikfirmen angebotenen Pflegeserien für die Haut ab 25, ab 30, ab 40 Jahren o.ä. können oft die falsche Pflege sein. Man muss die Hautpflege immer auf den aktuellen Hautzustand abstimmen.
Wenn man sich bei extremen Kältegraden länger im Freien aufhält, sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass keine Feuchtigkeitscreme oder -gel aufgetragen wurde. Das kann zu Erfrierungen führen, weil die Wassertröpfchen in der Creme auf der Haut vereisen. Beim fett-feuchten Hautzustand genügt normalerweise der Fettfilm, den die Haut selber produziert, als Schutz. Die Patienten mit dem fettarm-trockenen Hautzustand nehmen im Winter ihre Nachtpflege.
Gesichtspflege bei den verschiedenen Hautzuständen (n. Raab u. Kindl)
| | normal | fett-feucht | fettarm-trocken |
| Reinigen | neutral Syndet | kräftig saure Syndets | mild Reinigungsmilch |
| Tonisieren | Alkohol < 15% | Alkohol > 15% | keinen Alkohol |
| Pflegen | Feuchtigkeitsemulsion | Sehr leichte Feuchtigkeitsemulsion oder Gel | Tags: Ö/W Cremes Nachts: W/Ö Cremes Feuchthaltefaktoren |
| Schützen | selten nötig | nicht nötig | sehr wichtig |
Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich die Hautpflegeberatung sich immer streng an das Erscheinungsbild und der Hautbeschaffenheit jedes einzelnen Patienten zu orientieren hat, also individueller sein muss als die allgemeinen Werbeaussagen der Kosmetikfirmen. Der Patient muss auch lernen oder angeleitet werden, die Bedürfnisse seiner Haut besser zu verstehen und zu beurteilen, damit er auf Änderungen von extrinsischen oder intrinsischen Einflüssen schneller und richtiger reagieren kann. Die hier beschriebenen Richtlinien können dementsprechend auch nur einen groben Anhalt zu einer optimaleren Beratung darstellen. Sie gelten besonders für die Gesichtspflege, sollten jedoch in jede Pflegeempfehlung mit einfließen.
Adresse der Autoren
Prof. Dr.med. W-I. Worret
Priv. Doz. Dr.med. Dr. rer nat B. Jeßberger
Isolde Hof, med. Kosmetikerin
Klinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München
Biedersteinerstr. 29
D-80802 München
wolf-ingo.worret@lrz.tu-muenchen.de
Seitenanfang |